Event


Conference

Scham und Schamlosigkeit

Grenzverletzungen im Spannungsfeld von Dissimulation und Ostentation

Jun 4-6, 2009

Die Tagung widmet sich dem Verhältnis von Scham und Schamlosigkeit in der Vormoderne. Obwohl die beiden Phänomene kategorial unterschiedlich gelagert sind, lassen sie sich auf der Ebene der Grenzverletzung miteinander in Beziehung setzen. Im Mittelpunkt soll deshalb weniger die Frage nach Scham und Schamlosigkeit selbst, als vielmehr nach ihren Zuschreibungspraktiken stehen, nämlich wie eine Handlung im Prozess der öffentlichen Kommunikation zur Transgression wird. Aus dieser handlungsorientierten Perspektive bietet es sich an, die beiden Phänomene nicht als normative, ethische oder affektbezogene Kategorien, sondern als performative Operatoren zu untersuchen, deren Zusammenwirken über die Markierung eines Vorgangs als Grenzverletzung die Grenze erst hervorbringt.

Scham und Schamlosigkeit unterliegen allerdings unterschiedlichen Aufführungsbedingungen: Scham ist paradox angelegt, denn sie macht körperlich sichtbar, was das Subjekt verbergen will. Somit lässt sich Scham als eine Kommunikationsform der Dissimulation verstehen. Die Schamlosigkeit erscheint dagegen als Ostentation: Das Sichtbarmachen der Grenze ist in diesem Fall eine zielgerichtete Geste, die für verschiedene Semantiken offen ist. Dabei geht es nicht nur um die Modi dieser Geste, sondern auch um ihre Funktionen und Effekte.

Die Tagung umfasst ein breites Spektrum von literarischen und künstlerischen Inszenierungen von Scham und Schamlosigkeit, für die das Zusammenspiel von Dissimulation und Ostentation von Bedeutung ist. Sie zielt insbesondere auf vormoderne Zusammenhänge, da hier in der öffentlichen Verhandlung von Norm- und Verhaltensgrenzen keine strikte Trennung zwischen institutionalisierten Rechtsverfahren, rituellen Äußerungen und spontanen face-to-face Interaktionen herrscht.

Programm

Interdisziplinäre Tagung der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet in Kooperation mit dem SFB 447 „Kulturen des Performativen“, dem SFB 644 „Transformationen der Antike“ und dem ICI Kulturlabor Berlin.
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung.

Organisation und Konzeption: Ruth von Bernuth, Albrecht Dröse, Katja Gvozdeva, Hans Rudolf Velten und Julia Weitbrecht gemeinsam mit Hartmut Böhme.


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